Laufen, Laufen, Laufen – jeden Tag

Ich habe vor drei Wochen zum gefühlten 10.000ten mal damit angefangen zu Laufen. Diesmal reichts aber “nur” noch zum Power-Walking, da bei meinem aktuellen Übergewicht alles andere nicht geht.

Und irgendwie hab ich den starken Verdacht – auch wenn erst drei Wochen rum sind – dass bei mir diesmal auf Grund mehrerer Gründe der Knoten geplatzt sein könnte und ich dabei bleibe.

Ich hab mir gedacht, dass ich dieses Aha-Erlebnis einfach mal mit euch teile. Denn des Rätzels Lösung scheint für mich zu sein: tägliches Laufen.

Früher lief das immer ungefähr wie folgt:

Irgendwann kommt der Punkt, dass man denkt: ok ich muss was machen. Dann finde ich die alten Lauf-Schuhe wieder, meine alten Klamotten und ich denke mir: ok einfach mal machen.

Ich gehe das erstmal raus und laufe. Pulsuhr dabei, Zeit wird gestoppt, am besten gleich mal ein paar Intervalle mit einbauen. Gierig auf die Zeit, die Schnelligkeit und die Strecke schielen.

Ich komme käuchend und prustend mit hoch rotem Kopf zurück, springe unter die Dusche und fühle mich danach großartig. Und hab es dabei vermutlich großartig übertrieben.

Aber: ich bin wieder angefixt. Und dann gehts wieder los: so wie integriere ich dass denn jetzt in mein Leben? Und irgendwie hatte ich immer im Kopf: ich sollte 3-4 mal die Woche Laufen gehen.

Was mir in den letzten Jahren dann immer wieder passiert ist: Ich mache mir einen tollen Plan und verteile die Tage, an denen ich Laufen will und an denen ich die Ruhetage mache.

Darauf folgte dann bisher immer ungefähr sowas: bei der Arbeit oder Privat kommt mir was blödes dazwischen und aus dem einen Ruhetag werden ausversehen zwei Ruhetage.

Dann verschiebt sich wieder irgendwas blödes und anstatt mind. 3 mal zu Laufen, bin ich dann doch nur 2 mal die Woche gelaufen.

Meine Motivation fängt schon an zu sinken. Dann lasse ich es etwas schleifen und aus den Ruhetagen zwischen 3-4 mal Laufen wird gleich eine ganze Woche. Die Motivation sinkt noch weiter in den Keller, weil jetzt fühlt es sich so an, als müsste ich wieder von vorne anfangen.

Der Plan ist eh schon total im Arsch – meine Exceltabelle zur exakten Erfassung der Leistung hat schon riesige Lücken und ja – so macht das einfach keinen Spaß. Und jetzt regnet es auch noch.

Und ehe ich es mich versehe bin ich nach wenigen Wochen wieder raus.

Aber diesmal lief es etwas anders

Ich habe zwar mal wieder meine alten Laufsachen gefunden und war der Meinung ich müsste mal was machen, bin aber diesmal ganz anders an die Sache rangegangen.

Nicht gleich die Puls-Uhr umgeschnallt – keinen Plan gemacht – keine Uhr mitgenommen – kein Tracking wie schnell ich bin. Nix dergleichen.

Ich bin einfach rausgegangen und hab mir gedacht: Ich laufe jetzt einfach so lange wie ich Lust habe und komme dann zurück. Und mir war schon klar, dass ich nicht mehr schaffen werde als zu Walken.

Ich bin dann in den Volkspark Friedrichshain gestiefelt und ich hatte richtig Spaß dort einfach nur zügig rumzulaufen. (der Park ist enorm abwechslungsreich und hat enorm viele Wege und zwei Bunker-Berge) Ich hatte sogar so viel Spaß, dass ich Bauklötze gestaunt habe, als ich wieder zuhause war und auf die Uhr schauen konnte:

Ich war gerade 90 Minuten unterwegs gewesen. Und ich war mir sicher, dass mein Puls im grünen Bereich dabei war, da ich es ruhig hab angehen lassen.

Bin dann am nächsten morgen aufgewacht. Hab gemerkt, dass ich gar keinen Muskelkater habe und bin einfach wieder raus. Wieder ohne Plan, ohne Uhr, ohne alles. Einfach raus so lange ich Lust habe. Der Park ist für mich so verwirrend, dass ich erstmal rausfinden muss, wo jetzt welcher Weg wirklich genau hinführt.

Mir ging es dabei lustiger Weise weniger ums Laufen, als darum den Park mal genauer zu erkunden.

Bin dann nach 60 Minuten wieder zurück gewesen. Und am nächten morgen wieder aufgewacht und gedacht: ah komm – eigentlich könntest Du noch mal raus.

Und ab da plagte mich dann langsam das schlechte Gewissen: Du musst doch einen Ruhetag einbauen. Nicht übertreiben!

War mir aber irgendwie erstmal wurscht. Bin einfach wieder raus und war wieder 90 Minuten unterwegs. Und so ging das Tag für Tag. Ich hatte mir sogar mehrmals vorgenommen, jetzt unbedingt einen Ruhetag machen zu müssen und konnte es dann einfach nicht lassen, trotzdem rauszugehen.

Manchmal waren es nur 30 Minuten – mal wieder 90 Minuten. Mir war es einfach total egal und ich hab es auch nicht genau aufgeschrieben.

Irgendwann waren dann aber meine Bedenken so groß, dass ich mal angefangen hab wie wild zu recherchieren, wie das jetzt genau mit den Ruhetagen eigentlich wirklich ist.

Ich bin dann über die üblichen Verdächtigen gestolpert und habe erstmal das wiedergefunden was ich schon kannte: 3-4 mal die Woche. Ruhepausen sind wichtig etc.

Und dann fand ich aber immer mehr Artikel von Leuten die von täglichem Laufen berichtet haben. Ein Buch-Autor hat sich sogar so geäußert, dass er jedem Anfänger empfehlen würde täglich zu Laufen, da die Wahrscheinlichkeit einfach viel viel höher ist langfristig am Ball zu bleiben, wenn man es zur täglichen Routine macht und das mal vier Wochen lang durchhält.

Das erschien mir auf einmal enorm logisch. Und vor allem erschien es mir als Lösung für mein primäres Problem an der Sache: am Ball bleiben.

Er berichtete sogar weiter darüber, dass es lustige Studien gibt, die ziemlich genau aufzeigen, dass Leute mit dem Laufen wieder aufhören, wenn sie sich mit ihren Ruhetagen verzetteln, ein paar mal zu viel aufschieben und dann wieder raus sind.

Und so paradox das erscheinen mag: mir fällt es viel einfacher mich an die Regel zu halten täglich zu laufen, als 3-4 mal die Woche mir das richtig einzuteilen. Das ist irgendwie einfacher und es geht niemals um die Frage ob ich heute Laufen gehen, sondern es geht eigentlich nur um das wann und wie lange.

Dadurch dass mein Ziel jetzt auch keine fein abgestimmte sportliche Leistungssteigerung ist, sondern ich mich wirklich einfach nur bewegen will, um abzunehmen und weil ich irgendwie gerade Freude daran habe, fällt mir das extrem einfach.

Bin dann beim Recherchieren weiterhin über mehrere Trainingspläne fürs Walken gestolpert, die dann auch darauf hinausliefen, dass man das einfach jeden Tag macht und mir haben sich einfach immer mehr Indizien offenbart, dass man das mit dem 3-4 mal die Woche gar nicht so dogmatisch sehen muss.

Und dann hab ich “Streak-Running” gefunden.

Streak-Runner sind Menschen die wirklich jeden Tag Laufen gehen und die sich zum Ziel gesetzt haben dies über einen möglichst langen Zeitraum durchzuhalten. Jeden einzelnen Tag raus da. Die Motivation kommt da weniger von der Leistungsteigerung, sondern viel mehr rührt sie daher eine möglichst lange Serie durchzuhalten. Wichtig ist dabei nur, dass man mind. 1,6 Kilometer pro Tag läuft, damit es zählt.

Und ich sag mal so: 1,6 Kilometer sind wirklich schnell erledigt. Egal was man vor hat. Die 1,6 Kilometer walke ich am Fluhafen Tegel zur Not auch mal kurz am Terminal A im Kreis bis das Bording beginnt – habe ja jetzt noch bis März Gelegenheit dazu ;)

Und als ich Streak-Running entdeckt habe, war ich noch mehr angespornt mein tägliches Power-Walking einfach fortzuführen. Ohne irgendwelche Pläne. Einfach jeden Tag so lange laufen wie ich Zeit hab und lustig bin. Die 1,6 Kilometer werden dabei schon jeden Tag rumkommen und ich glaube wirklich daran, dass sich das als Gewohnheit so dermaßen festsetzen wird, dass man das einfach jeden Tag braucht und sich dadurch besser fühlt, ohne sich einem strikten Plan unterwerfen zu müssen, den man dann eh nicht einhalten kann.

Ich hab dann nun auch angefangen Runkeeper zu benutzen um meinen “Streak” zu dokumentieren (http://runkeeper.com/user/pixelsebi/profile), habe mich noch mal wegen der richtigen Technik etwas schlauer gemacht, um nicht dauerhaft etwas grundsätzlich falsch zu machen und meine sportlichen Ambitionen mit ein wenig Technik untermauert ohne dass das jetzt wieder alles überhand nimmt.

Tja und ich muss sagen: Läuft super. Jeden Tag.

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The Restless Mind

am 13.06.2012

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